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Zwei Vereine aus der Romandie probten den Fahrstuhl-Effekt

Am Eidgenössischen in Bulle haben zwei Tambourenvereine aus der Romandie auf sich aufmerksam gemacht. Die ehemalige S1-Sektion Bertholdia de Fribourg hat wegen Nachwuchssorgen im S3 erfolgreich einen Neustart gewagt. Den umgekehrten Weg gingen die Tambours du Chablais: Sie stiegen vom S3 direkt in die Höchstklasse auf und sorgten mit dem 8. Rang für mächtig Furore.

La Bertholdia Fribourg

Der Tiefpunkt war 2017 erreicht: Noch 4 Jungtambouren hatte der Verein, auf dem Papier waren es noch 10 Aktivmitglieder, an den Proben oft eher weniger. Für den Tambourenverein La Bertholdia de Fribourg war es höchste Zeit zu reagieren. «Wir hatten wirklich ein akutes Nachwuchsproblem», erinnert sich der musikalische Leiter Stefan Stempfel. Es gelang dem Verein praktisch nicht mehr, eigene Jungtambouren zu rekrutieren. «Wir hatten uns immer gefragt, warum die Jungen nicht zu uns kommen. War unser Repertoire zu schwer?» Zu diesem Zeitpunkt war die Bertholdia noch eine S1-Sektion und hat Kompositionen mit hohem Schwierigkeitsgrad gespielt.

2017 lancierte die Bertholdia dann ein Projekt, dass sich später als grosser Befreiungsschlag herausstellen sollte: Unter dem Titel «Drife» – der Name spielt auf die englischen Bezeichnungen Drum und Fife an – schrieb der Verein die Tambourengruppen der freiburgischen Musikgesellschaften an. Das Ziel: Während vier Monaten wollte die Bertholdia im Sinne einer Horizonterweiterung mit möglichst vielen dieser Tambouren proben und am Schluss einmalig ein 45-minütiges Konzertprogramm aufführen. Die Resonanz war gross, 35 Tambouren nahmen teil. Und für die Bertholdia besonders erfreulich: 6 von ihnen hatten derart viel Spass, dass sie dem Verein gleich erhalten blieben. Sie nahmen mit dem Verein am Eidgenössischen in Bulle teil und sind heute allesamt Aktivmitglieder, wodurch sich die Sorgen der Bertholdia massiv verkleinerten.

Neustart in der tiefsten Kategorie

Allerdings hatte die Integration der 6 neuen Tambouren zur Folge, dass ein erneuter Start in der Höchstklasse S1 nicht mehr möglich war. Denn die neuen Mitglieder können noch keine Baslermärsche trommeln. Deshalb machte die Bertholdia einen Schritt zurück in die tiefste Klasse S3. Ein Schritt, den die allermeisten Mitglieder mittrugen. «Wenn wir ehrlich sind, hatte es eigentlich schon vorher von der Qualität her nicht mehr gereicht fürs S1», sagt Stefan Stempfel selbstkritisch. Der Verein konnte trotz verletzungs- und ausbildungsbedingten Abwesenheiten mit 12 Tambouren zum Wettspiel starten. Zum Vergleich: 2014 am Eidgenössischen in Frauenfeld war die Bertholdia mit 8 Tambouren angereist. In Bulle resultierte im S3 beim Neustart der Kategoriensieg. Nächstes Jahr wird der Verein nochmals im S3 starten, danach soll der Übertritt in die Kategorie S2 stattfinden, wo Stempfel den Verein auch mittelfristig sieht.

Er betont, dass das Einvernehmen mit den Musikgesellschaften sehr gut sei. Auch die Tatsache, dass vor allem eine Tambourengruppe mehrere Rücktritte von Tambouren verzeichnen musste, weil diese sich der Bertholdia anschlossen, habe zu keinen Problemen geführt. «Es ist sogar so, dass die Musikgesellschaften nun im Nachgang zu Drife unser Ausbildungskonzept übernehmen und nach diesem ihre Jungtambouren ausbilden.» Regelmässig soll es zudem Gesamtproben unter der Leitung der Bertholdia geben, damit wieder alle möglichst auf dem gleichen Ausbildungsstand sind. Aktuell unterrichten vier Musikgesellschaften nach diesem Ausbildungskonzept, bald könnten es fünf sein.

Den Erfolg des Projekts «Drife» erklärt sich Stempfel damit, «dass uns die Musikgesellschaften nicht als Konkurrenz sehen». Es gehe allen Beteiligten in erster Linie darum, das Trommeln im Kanton Fribourg voranzubringen.

Rasanter Aufstieg

Tambours du Chablais

Ein anderer Tambourenverein aus der Romandie hat am Eidgenössischen in Bulle den diametral entgegengesetzten Weg zu jenem der Bertholdia Fribourg gewählt: Die Tambours du Chablais waren 2014 noch im S3 gestartet und hatten dort gewonnen. Auf den sonst üblichen nächsten Schritt verzichteten die Westschweizer: Sie übersprangen das S2 und starteten direkt in der Höchstklasse S1. Das alleine hatte schon für Aufsehen gesorgt. Was die Tambours du Chablais dann aber zeigten, das hätte kaum jemand erwartet: Sie klassierten sich in Bulle auf Anhieb in der erweiterten Spitze und ertrommelten sich den 8. Rang.

Noch erstaunlicher ist das Ganze, wenn man den Aufwand betrachtet, den der junge Verein betrieben hat. Fürs Eidgenössische wurde nur einmal pro Woche während zwei Stunden geprobt, dazu kam ein einziger Probesamstag. Die Behauptung sei gewagt: Kein anderer ambitionierter Tambourenverein aus den Kategorien S1 und S2 hat vor dem Wettspiel in Bulle so wenige Proben absolviert. «Wir wussten, dass die geringe Anzahl Proben eher zu unserem Nachteil sein würde», sagt der musikalische Leiter Christophe Avanthay. Man habe das aber offenbar mit guter Probenqualität ausgleichen können. Avanthay beschreibt den Hunger in seiner Sektion als gross. «Alle waren begierig darauf, diese Herausforderung anzunehmen.» Damit erklärt er auch, weshalb die Tambours du Chablais nicht den Umweg über das S2 nehmen wollten. «Mit den besten Vereinen des Landes konkurrieren zu können, war eine reizvolle Chance für alle.»

Seine Rolle im Verein sieht Avanthay, seines Zeichens Vize-Schweizermeister im Einzeltrommeln, so: «Ich bin der, der die Richtung vorgibt, der Anpassungen am Motor vornimmt. Der Motor sind aber die jungen Menschen, die schnell arbeiten und vorankommen. Ich gebe meine Leidenschaft und mein Wissen an sie weiter, so gut ich kann.» Für Avanthay selber kam der 8. Rang unerwartet. „Ich hoffe, dass wir noch einige Jahre in dieser Kategorie konkurrenzfähig sein können und dass unsere Tambouren immer Spass haben.»

Philippe Müller

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