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Das Clairon im Existenzkampf

Es hat seine Wurzeln und seine Tradition in der Ostschweiz: Drei Vereine pflegen heute noch das Claironspiel.  Nun kommt das Fanfareninstrument immer mehr unter Druck. Im Tambourenverein Fürstenland Gossau kämpft die Claironsektion sogar gegen das Aus.

Es hat immer etwas Festliches, wenn sie ertönen: Die klaren, fanfarenartigen Klänge des Clairons erinnern im ersten Moment an Ritterspiele aus längst vergangenen Zeiten. Stolz und traditionsreich sind Attribute, die man dem Blasinstrument mit fünf Tönen zuschreiben kann. Vielleicht ist genau die Tradition für das Instrument zum Problem geworden, denn in der modernen Zeit tut es sich schwer. In der Schweiz hört man das Clairon heute vor allem noch in der Ostschweiz, meist in Kombination mit dem Trommelspiel. Es sind drei Vereine übrig geblieben, die das Claironspiel pflegen: Die Tambourenvereine Lüchingen, Wil und Gossau. Genau in dieser Reihenfolge haben sie sich diesen Sommer am Wettspiel der Claironsektionen im Rahmen des Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfestes in Bulle klassiert.

Die Claironsektion des Tambourenvereins Fürstenland Gossau

Das Hauptproblem: Den Claironsektionen fehlt es akut an Nachwuchs. Sie stehen in direkter Konkurrenz zu den Musikgesellschaften, die Bläser an den klassischen Blasinstrumenten ausbilden. Das Clairon gehört nicht dazu. Vergleichsweise gut geht es Schweizermeister Lüchingen, der relativ eng mit der örtlichen Musikgesellschaft verbunden ist und dort jeweils Bläser rekrutieren kann. Wil versucht das Gleiche bei den Guggenmusiken. Die Schwierigkeit ist dort jedoch, dass Guggenmusiker nur saisonal zur Verfügung stehen, eine normale Vereinsmitgliedschaft mit allen Rechten und Pflichten kommt meist nicht in Frage.

Aderlass in Gossau

Besonders prekär präsentiert sich die Ausgangslage derzeit im Tambourenverein Fürstenland Gossau. Am Eidgenössischen in Bulle hat er sich in der kombinierten Kategorie Tambouren- und Claironsektion noch den Schweizermeistertitel erspielt. Jetzt ist es jedoch 5 vor 12. «Wenn es uns nicht gelingt, bis nächsten Frühling mehr Bläser zu rekrutieren, müssen und werden wir die Claironabteilung schliessen», sagt der Clairon-Verantwortliche Ivo Bernhardsgrütter. Bei Vollzähligkeit sind es aktuell noch neun Claironisten. «Da stimmt irgendwann dann einfach das Verhältnis zwischen der Anzahl Claironisten und den rund 25 Tambouren nicht mehr.» Mindestens zwei Bläser werden im Frühjahr zudem aufhören. Und ein Bläser ist längst pensioniert und wohl auch nicht mehr ewig dabei. «Weitere Mitglieder haben angekündigt, ebenfalls aufzuhören, falls wir keinen Nachwuchs finden.»

Auf dem bisherigen Weg, weitere Bläser zu finden, ist Gossau gescheitert. «An den Schnupperabenden hatten die Tambouren jeweils einige Interessenten, bei uns jedoch kam praktisch niemand vorbei», sagt Bernhardsgrütter. Nun setzt der Verein in wohl letzter Hoffnung auf denselben Schritt wie der Tambourenverein Lüchingen und sucht die Zusammenarbeit mit umliegenden Musikgesellschaften. «Erste Gespräche fanden schon statt. Wir versuchen, allfälligen Verstärkungen anzubieten, nur eingeschränkt an unserem Probebetrieb teilzunehmen. Das erhöht vielleicht die Erfolgschancen.»

Noch kämpft der Tambourenverein Fürstenland Gossau also darum, dass es weitergeht mit dem Clairon und das Traditionsinstrument seinen Platz in der Moderne behalten kann.

Philippe Müller

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